1. August Festansprache

Am 31. Juli 2019 um 20.15 Uhr hielt Sabine Asprion die Festansprache an der Bundesfeier auf dem Rathausplatz im idyllischen Stedtli in Laufen. Hier könnt Ihr die Rede lesen:

Liebe Besucherinnen und Besucher hier auf dem Festplatz, herzlich willkommen!

Wurum syt dir so truurig? Ihr seid gar nicht traurig? Aber Mani Matter fragte das doch in seinem Lied. Er beobachtete, dass wir immer einen „Lätsch“ machen, z.B. im Tram. Dabei gehe es uns doch ganz gut, immer etwas besser, wir hätten eine gute Pension und seien im schlimmsten Fall gut versichert.

Ein komisches Volk sind wir – nicht primär wegen der guten Pension (daran arbeiten wir).  Denn wir gehören zu den glücklicheren Nationen auf der Welt. Aber dazu später.

Glück lässt sich offensichtlich messen. Glücksmomente sind individuell. Wann seid ihr so richtig glücklich?

  • Traumwohnung ab August?
  • Geburt der eigenen Kinder?
  • Prüfung bestanden?
  • Rostlaube zu gutem Preis verkauft?

Ihr, Kinder, seid vielleicht glücklich nach einem Tag in der Badi, wo ihr den doofen Nachbarsbuben ins Becken schubsen konntet, und das Sackgeld noch für eine zweite Glacé reichte.

Ich selber bin so richtig happy, wenn ich von einer Achterbahn steige. Zu meiner Schande muss ich gestehen, dass meine Lieblingsbahn die ist, die von einem russischen Gaskonzern finanziert wird. Politisch korrekt ist anders.

Oder früher – ich bin ja in Dittingen und mit den Flugtagen aufgewachsen – wenn ich eine atemberaubende Vorführung der Patrouille Suisse sah. Die Patrouille Suisse hat diesem Gefühl jetzt noch eine neue Nuance gegeben: man hat Glück, wenn man sie überhaupt zu Gesicht bekommt.

Grosse Glücksmomente erkennen wir häufig, die kleinen drohen wir zu übersehen.

Willi Ritschard, sagte einmal „Das Glück ist oft wie eine Brille, nach der man vergebens sucht. Man findet sie nur deshalb nicht, weil man sie auf der Nase hat“.

Und auch Eckart von Hirschhausen (bei dem man nie weiss: ist das nun ein lustiger Arzt oder ein medizinisch geschulter Kabarettist) sagt: es gibt viel mehr kleine Momente, die uns glücklich machen, als grosse. Und die grossen haben weniger Einfluss als die kleinen.

Wir können unseren Glücksmomenten nachhelfen, wenn wir uns immer wieder ab kleinen Dingen freuen. Dann machen wir auch nicht den Lätsch, den Mani Matter beschrieb. Oder zumindest nicht so häufig.

Das kleine, alltägliche Glück und die grossen Glücksmomente im Leben machen, dass wir lächeln. Trotzdem werden wir mit ihnen nicht dauerhaft glücklich. Sonst könnte es ja reichen, auf Facebook, Instagram & Co. mit tollen Fotos, coolen Sprüchen und lustigen Memes möglichst viele Likes zu provozieren.

Was braucht es also, damit wir grundlegend glücklich sein können?

Die Forscher haben herausgefunden, dass wir für unser Glück auf 5G verzichten können – 4G reicht. 4G das sind Gemeinschaft, Gesundheit, Genetik und Geld.

  • Gemeinschaft: gute soziale Beziehungen sind der wichtigste Faktor für Lebenszufriedenheit.
  • Gesundheit: hat sehr großen Einfluss auf die Zufriedenheit. Geht es uns nicht gut, steht die Gesundheit dem Glück im Weg.
  • Genetische Veranlagung: Klingt kompliziert: unsere Ansicht, ob ein Glas halbvoll oder halbleer ist. Mentalität erkläre schon mehr als die Hälfte der gefühlten Glücksunterschiede.
  • Geld: Ja, wir brauchen Geld zum Leben. Und ja, mit steigendem Einkommen steigt die Zufriedenheit. Aber: das Glück nimmt mit nicht gleich stark zu wie das Einkommen. Und: je mehr Geld zur Verfügung steht, desto wichtiger werden die anderen 3 G.

Good news: in der Glücksrangliste gehören wir in der Schweiz zu den Weltbesten – oder zumindest stehen wir knapp neben dem Siegerpodest: wir stehen an 6. Stelle.

Wir können uns also erst einmal glücklich schätzen, dass wir in der Schweiz geboren wurden. Unsere Startbedingungen sind viel besser als z.B. diejenigen eines Kindes in Somalia. Also haben wir schon Glück gehabt, bevor wir überhaupt das erste Mal losgeschrien haben und nach Essen verlangten.

Aber wer könnte glücklicher sein als wir?

  • Die Italiener mit ihrem ausgeprägten Familiensinn, wo es wichtig ist, am Abend in der Grossfamilie bis spät in die Nacht zusammenzusitzen?
  • Die Franzosen mit ihrer Genussfreude, wo das Glas Wein schon zum Mittagessen gehört und das gut für das Herz ist?
  • In Monaco, mit dem höchsten Einkommen weltweit – und der glamourösesten Royal-Familie?
  • Oder die US-Amerikaner, denen ein schlecht frisiertes Grossmaul immer wieder das Gefühl gibt, sie seien die Grössten, Klügsten, Besten und Fleissigsten?

Alles falsch: Glücklicher als wir sind die Skandinavier und die Niederländer. Klingt langweilig. Kann sich jemand an einen Skandal aus Skandinavien erinnern ausser vielleicht an einen Dopingskandal bei den norwegischen Langläufern? Fragt sich gerade, woher Skandinavien den Namen hat, wenn nicht von einem Skandal. Aber vielleicht ist es dieses unauffällige, fast langweilige, das der Grund für das Glück ist?

Die Spitzenreiter in der Glücksrangliste haben nämlich gemeinsam:

  • hohe Einkommen (und hohe Steuern)
  • Hohe Lebenserwartung
  • Geringe Korruption, stabile politische Verhältnisse, Vertrauen in Regierung
  • Vertrauen in Mitmenschen
  • Soziale Absicherung, unabhängig davon, welche Lebensentscheidungen man treffe.
  • In der Schweiz kommt noch etwas hinzu – also quasi doch ein Sonderfall Schweiz. Es hat mit einem Geist zu tun – dazu später.

Die Glücksrangliste führt 157 Länder auf, unter den Schlusslichtern finden sich der Südsudan, Afghanistan, Tansania und Syrien. Es gibt ganz viele Länder, in denen es den Leuten sehr viel schlechter geht als uns. Das wissen wir und rasch heisst es, wir jammern auf hohem Niveau. Das mag stimmen. Trotzdem müssen wir unsere Hausaugaben in der Schweiz machen.

Im Vergleich zu Tschernobyl oder Fukushima ist unsere Umwelt sauber, trotzdem leiden nicht nur unsere Bauern unter der Trockenheit. Baumarten vom Aussterben bedroht.

Im Vergleich zu Äthiopien geht es unseren Armen gut, sie sterben nicht wegen Hunger, trotzdem können sich nicht alle Familien leisten, mit ihren Kindern in den Zoo zu gehen.

Im Vergleich zu Griechenland sind unsere Arbeitslosenquoten vernachlässigbar, trotzdem leiden gerade ältere Leute, die schon länger arbeitslos sind, unter dem Gefühl, nicht gebraucht zu werden. Arbeitslosigkeit ist ein richtiger Glückskiller. Dabei geht es nicht allein ums Geld, sondern um den Verlust des Selbstwertgefühls und die Angst vor Abhängigkeit.

Wir dürfen die Probleme in der Schweiz durchaus mal mit Fukushima, Äthiopien und Griechenland vergleichen und feststellen, dass wir „auf hohem Niveau jammern“. Wir sind auf einem guten Weg, aber die Politik muss die Rahmenbedingungen schaffen, damit es auch so bleibt – oder besser wird.

Ich will als Politikerin zusammen mit euch allen dafür sorgen:

  • dass wir die Schweiz so gestalten, dass wir weiterhin in der Glücksrangliste in der Topliga der Welt mitspielen
  • dass sich Familien in unserem Land einen Zoobesuch leisten können
  • Dass unsere Wirtschaft auch Berufsleute beschäftigt, die älter sind und länger arbeitslos waren
  • Dass wir in Sachen Umweltschutz Pionierin sind und vorwärts machen, auch wenn wir ein kleines Land sind.

Jetzt noch zum Sonderfall Schweiz: Dieser Geist – was könnte das sein? Ein Kleingeist? Ein Poltergeist? Oder ein Flaschengeist um sich das Leben zwischendurch schönzutrinken?

Nein: Kantönligeist. Dieser ist glücksfördernd: wir können als im Kanton und in der Gemeinde über Fragen abstimmen, die uns direkt betreffen! Und im Baselbiet können wir sogar über mehr Fragen abstimmen, als z.B. in Genf. Und das fördert unser Glücksempfinden, aber auch die Identifikation mit der Region.

Ich hätte eine Idee, wie wir unser Glück, hier leben zu dürfen, sichtbar machen können – natürlich zum einen, indem wir die Augen offen halten für die täglichen kleinen Glücksmomente. Indem wir solche Glücksmomente teilen. Indem wir für andere zum Glücksfall werden, wenn es ihnen nicht so gut geht. Damit können wir unsere Gemeinschaft stärken, eines der 4G.

Zum anderen könnte sich die Schweiz ein neues Wappen geben: Statt des weissen Schweizerkreuzes ein weisses vierblättriges Kleeblatt.

Ich habe diese Idee in einer Art Glückskeks umgesetzt, von dem ihr euch gerne bedienen dürft. Als Politikerin bin ich nicht alleine für die Rahmenbedingungen verantwortlich. Neben allen Stimmberechtigten habe ich ja auch meine Kolleg/innen im Stadtrat – sie teilen daher mit mir die Glückskekse aus! Esst den Keks und geniesst ihn! Teilt ihn oder verschenkt ihn – Das Glück wird ja nicht kleiner, wenn man es teilt.

Ich wünsche euch einen fröhlichen, gemütlichen Abend, so dass ihr mit einem glücklichen, zufriedenen Lächeln irgendwann später nach Hause gehen könnt!

2 Gedanken zu „1. August Festansprache

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