Andreas Züllig im Interview

Frage von Sabine Asprion: Die FDP hat ja in den letzten Monaten mit ihrem ökologischen Positionsbezug etwas gehadert. Ich staune immer wieder, dass Städter da aufgeschlossener sind, hingegen „Bergler“ eher bremsen. Mich erstaunt das deswegen, weil die Folgen des Klimawandels (welchen wir hoffentlich noch bremsen können) Bergregionen stärker treffen: Landwirtschaft und Tourismus sind starke Wirtschaftszweige, gleichzeitig diejenigen, welche höchst fragil auf das Klima reagieren. Wer kommt noch in die Berge, wenn es keinen Schnee und keine Gletscher mehr hat? Müsste es da nicht schon lange eine KAA geben (Klima-Allianz Alpen)?

Antwort Andreas Züllig: Wir in den Bergregionen sind nicht weniger aufgeschlossen was den Klimawandel angeht, sondern sind uns bewusst, welche Auswirkungen der Klimawandel auf den Lebensraum haben kann. Der Felssturz von Bondo hat es uns eindrücklich vor Augen geführt. Gewisse Täler würden unbewohnbar.

Auch Winter und Schneesicherheit sind entscheidende Faktoren. Sommer und Herbst werden als Saison immer wichtiger, aber den Hauptteil unseres Umsatzes machen wir im Winter, das sind bei Bergbahnen bis zu 90%. Man kann sich vorstellen, was eine Erosion der Wintersaison wirtschaftlich bedeuten würde. Die intakte Natur ist ein wichtiger Bestandteil unserer Existenz.

Graubünden ist der Kanton mit dem höchsten Anteil an Biobetrieben in der Schweiz, nämlich 65% der Betriebe. Die Produkte werden grossmehrheitlich lokal abgesetzt und verarbeitet. Die Zusammenarbeit zwischen dem Tourismus und der Landwirtschaft wird immer wichtiger. Gäste schätzen es, wenn sie beim Frühstück oder beim Abendessen Produkte aus der Region geniessen können.

Bei uns sind vor allem Wirtschaftszweige mit einer geringen Wertschöpfung angesiedelt. Entsprechen fallen bei uns Abgaben und Steuern mehr ins Gewicht als in anderen Regionen der Schweiz. Die Belastung und die Einschränkungen dürfen für solch periphere Regionen nicht zu hoch werden. Auf Fahrzeuge sind wir zum Teil angewiesen. Wir haben nicht alle 500 Meter eine Tram- oder Bushaltestelle und bei uns fahren die Züge auch nicht im Halbstundentakt. Regulierungen und Vorschriften dürfen nicht dazu führen, dass wir in unserem Lebens- und Wirtschaftsraum zu fest eingeschränkt werden.

Frage von Sabine Asprion: Worin sich Ihr Wahlkampf 2019 von demjenigen 2011 am deutlichsten unterscheidet?

Antwort Andreas Züllig: Bei den Wahlen 2011 musste ich als Novize natürlich zuerst meine Erfahrungen sammeln. Voller Motivation habe ich in allen Regionen Vorträge und eine Talk mit prominenten Gäste organisiert. Leider musste ich dann aber feststellen, dass das Interesse sehr unterschiedlich war und vor allem die versprochene Bündnerplatte und der Wein ein wichtiger Motivationsgrund waren um vorbeizuschauen. Ich hielt zum Teil also Vorträge und Talks vor 5 Gästen. Und dies je nach Ort oder Tal nach einer Anreise von 2 bis 3 Stunden. Ich habe für den Wahlkampf 2019 natürlich daraus gelernt. Ich konzentriere meine Auftritte auf Sachthemen an Podien. Haupthemen im Kanton Graubünden sind zum Beispiel der Fachkräftemangel, die Herausforderungen und Chancen der Digitalisierung und die Förderung strukturschwacher Regionen. Interessant die Ausgangslage als Hauptthema der Wahlen. Schon 2011 nach den Vorkommnissen in Fukushima war das Hauptthema die Umwelt. Das Thema Umwelt und Klima scheint auch in diesem Wahljahr die Verteilung im Parlament für die nächste Legislatur zu beeinflussen. Als Unternehmer, der sich auch aus ökonomischen Gründen mit dem Thema Nachhaltigkeit befasst, kann ich zu diesem Thema natürlich von meinen praktischen Erfahrungen profitieren.

Schreibe einen Kommentar

Deine E-Mail-Adresse wird nicht veröffentlicht. Erforderliche Felder sind mit * markiert.